Ich wünsche mir, dass du mich siehst.

» Gepostet am 14. Juni 2016 | 1 Kommentar

Ich wünsche mir, dass du mich siehst.

gesehen werdenIch wünsche mir, dass du mich siehst. Mit all meinen schönen Seiten und Eigenschaften, aber auch mit den nicht angenehmen. Und dass du trotzdem bleibst. Nicht gleich die Flucht ergreifst.
Ich wünsche mir, dass du dir Zeit für mich nimmst. Sodass ich mich dir öffnen und vertrauen kann. Mich aufgehoben und geborgen fühlen.
Ich wünsche mir, dass du mich in dein Herz schliesst, weil all diese Dinge zu mir gehören und mich ausmachen.

Die Welt da draussen ist oft zu wild und hektisch. Zu unfreundlich und abweisend. So vieles muss man sich erkämpfen. Ich persönlich mag nicht kämpfen. Ich habe eine regelrechte Abneigung dagegen mir Dinge „verdienen und erkämpfen“ zu müssen. Und trotzdem tappe auch ich immer wieder in die Kampf-Falle rein.
Unsere Gesellschaft und unser System, in dem wir leben, impliziert uns, dass wenn wir nicht kämpfen, nichts zu erreichen ist. Und da wird auch nicht sonderlich differenziert, welche Lebensbereiche das betrifft. Erfolgreich ist, wer sich den Hintern aufreisst, sich in tausend Stücke zerteilt, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Und dann? Kommt dann der Erfolg? Die Anerkennung?
Manchmal vielleicht, aber nicht zwingend. Und auch nicht längerfristig.
Also fängt man gleich danach an, weiterzukämpfen.

Und wie ist das mit der Liebe?

Liebe und Zuneigung kann ich mir nicht verdienen. Das sind Dinge, die einfach entstehen, wenn der Raum dafür da ist. Jedoch haben viele von uns schon als Kinder von ihren Eltern bewusst oder unbewusst gelernt, dass Liebe sehr wohl verdient werden muss. Wenn ich diese Überzeugung mit auf meinen Lebensweg bekommen habe, gerate ich ganz schnell in eine Abwärtsspirale. In einen Kreislauf von „Ich tu doch so viel, wieso bekomme ich nicht genug?“. Ich kämpfe, rackere und mache und doch kann ich dabei leider nicht gewinnen. Alle Mühe umsonst!
Was ist die Lösung?

Der Schritt aus diesem Kreislauf raus ist mitunter ein grosser und nicht ganz unanstrengender. Es erfordert sehr viel achtsames „mit sich umgehen“, sich beobachten und in sich reinspüren. Dann jedoch entdecke ich nach und nach Momente, in denen ich anfangen kann, den Kreislauf bewusst zu durchbrechen. Sei es ein kurzes Innehalten, während ich gerade mal wieder versuche, jemanden zu beeindrucken, damit er mich mag. Wenn ich mal wieder „Ja“ gesagt habe, obwohl ich doch weiss, dass ich auch ohne diese Zusatzaufgabe schon überlastet bin an diesem Tag. Ein „Aha! Da ist es ja wieder!“ und dann ein sanftes „Das brauche ich nicht mehr. Ich darf mich zeigen wie ich bin. Ich darf sagen, wie ich mich wirklich fühle.“ ist ein erster Schritt in die Freiheit. Wenn ich dann noch auf Menschen treffe, die mich wirklich sehen wollen und sich die Zeit dafür nehmen, ist das ein grosses Geschenk.

Was ist das Risiko?

Nun, es könnte nicht jedem gefallen. Ich könnte nicht jedem gefallen.
Und ich weiss, dass die Angst davor eine ganz grosse sein kann. Aber trotzdem ist es zu schaffen. Vielleicht nicht sofort und immer. Aber stückchenweise ist es möglich, sich auf diesem Weg vorwärts zu bewegen. Und irgendwann kann ich in den Spiegel schauen und stolz auf mich sein. Dass ich mich selbst nicht mehr so „verschwende“, um geliebt zu werden.
Und alle, die mich mögen, weil ich so bin, wie ich bin – die gehören in mein Leben.

Photo by Valeria Boltneva (pexels.com)

1 Kommentar

  1. Ich finde diesen Text so ansprechend und passend. In der heutigen schnelllebigen Zeit, wo alles „fast“ sein soll, nur noch das Äussere, das Leisten und somit auch das Gefallen und „in sein“ zählt, da sind genau solche Gedanken so sehr viel Wert. Wert, wieder mal über sich selbst und die eigene Wertschätzung nachzudenken. Wozu bin ich bereit, was will, kann oder soll ich geben und wo ist ein klares „Stopp“ angesagt?
    Viel Freude beim darüber Nachdenken

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